
Diese Lerncoaching Geschichte kennen alle, die bei uns die LC-Ausbildung gemacht haben. Und auch wenn es schon viele, viele Jahre her ist, seit ich sie im Lerncoaching erlebt habe, hat sie mich nachhaltig beeindruckt.
Sie zeigt so wunderbar, dass Lernen so viel mehr ist als eine gute Lerntechnik parat zu haben. Und sie macht deutlich, wie wir im Lerncoaching arbeiten: lösungs- und zielorientiert sowie an der Struktur statt am Inhalt.
Schwankende Leistung - scheinbar ohne Grund
Die Ausgangssituation war, dass der 10-jährige Nico in Mathe Proben ganz unterschiedliche Ergebnisse erzielte. Manchmal hat er eine Eins geschrieben, manchmal bekam er eine Drei - und immer wieder kam es auch vor, dass er mit einer glatten Sechs nach Hause kam. Mal hat er also super abgeschnitten und mal hat er ganz schlecht. Im Lerncoaching konnte ich zunächst überhaupt kein inhaltliches Muster erkennen, denn es betraf alle Rechenarten.
Was wir natürlich auch abgeklärt haben: Hat er den Inhalt überhaupt verstanden? Ja, hat er verstanden. Und wie schaut es mit der Konzentration aus? Auch da stellte sich heraus: Nico kann sich grundsätzlich gut konzentrieren, die schlechten Ergebnisse waren unabhängig davon. So gingen wir Schritt für Schritt das Lernerfolgs-Puzzle durch, mit dem Ergebnis: alles gut!
Schließlich hatte ich das Gefühl, dass ich an meine Grenzen kam: „Oh Mensch, mir eigentlich fällt mir nicht wirklich etwas ganz passendes ein, ich glaube, ich kann hier nur allgemeine Angebote machen ...".
Die fiese Sieben blockiert
Dann habe ich ein letztes Mal auf seine Materialien geschaut, die er als Beispiel mitgebracht hat. Und plötzlich hatte ich eine kleine Erleuchtung, denn ich habe auf einmal gesehen, um was es da gehen könnte. Scheinbar war da tatsächlich ein Muster da.
Das schlechte Abschneiden war immer dann, wenn in einer Aufgabe die 7 vorkam!
Kann das wirklich sein? Als sich diese Hypothese im Kopf aufbaute, habe ich ihn einfach mal gefragt: „Du, sag mal, wie gerne magst du denn die Zwei? Und die Fünf? Und die Neun? Und wie gerne magst du die Sieben? Letztlich war es so, dass er fast alle Ziffern sehr gerne mochte (alle lagen auf der zehnstufigen Skala im Bereich 8-10). Sein besonderes Highlight war die Vier, die fand er super und gab ihr eine glatte 10.
Bei der Frage nach der Sieben stockte er kurz. Seine Physiologie verändert sich. Dann stotterte er ein bisschen und verriet (selbst überrascht): "Die Sieben, die finde ich ganz, ganz furchtbar".
Die Lösung im Lerncoaching war dann, dass wir daran gearbeitet haben, dass er sich mit der Sieben anfreunden kann. Dafür nutzen wir vor allem die mentale Submodalitäten-Technik.
Das Problem an der Wurzel packen ohne in der Vergangenheit zu rühren
Dieses Beispiel zeigt sehr schön, dass in diesem Falle Nachhilfe gar nicht funktioniert hätte und auch das Ausprobieren von neuen, anderen Lernstrategien keinen Erfolg gehabt hätte. Die Wurzel des Übels lag im Puzzleteil "Blockaden", also in der emotionalen Haltung zu dieser Ziffer. Woher diese Abneigung kommt, war uns in diesem Moment egal. Es ging vielmehr um das Ziel eine positive Beziehung zu Sieben aufzubauen. Hört sich vielleicht spuky an, für uns Lerncoaches ist das jedoch sehr stimmig.
Durch die mentale Arbeit wurde die Sieben immer sympathischer, irgendwann begann er sie richtig zu mögen. Dies bewirkte, dass immer dann, wenn die Sieben in einer Aufgabenstellung vorkam, nicht erst einmal ein Schreck- bzw. Stressmoment auftrat - völlig unbewusst natürlich -, sondern zumindest eine neutrale Reaktion.
Schließlich konnte Nico mit seinen vorhandenen, guten Fähigkeiten und Stärken an diese Aufgaben herangehen und es gab eine ganz deutliche Verbesserung in Mathe.
Fazit fürs Lerncoaching
Ich habe in diesem Coaching so viel gelernt, was ich in andere Coachings, auch mit Erwachsenen mit ganz anderen Anliegen, übertragen konnte:
- mit Geduld nach Mustern und Strukturen suchen, selbst wenn sie im ersten Moment nicht so offensichtlich sind.
- an der Struktur, und nicht am Inhalt arbeiten, lässt die Kompetenz viel leichter generalisieren (sollte Nico später z.B. mal eine Aversion gegen lateinische Begriffe entwickeln, weiß er, was zu tun ist).
- die Ressourcen (andere Ziffern zu mögen) immer wieder nutzen.
- konsequente Ziel-Orientierung zahlt sich aus.
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